zur entstehung


auftritte bisher :

1982 D, Trier, 'Schirm'
1983, D, Berlin, 'Pankehallen', 'Berlin Atonal 2 Festival')
1984, D, Frankfurt, 'FU-Mensa', 'Geminox - Festival')
1985, GB, London, 'Ambulance Station' ('Recloose N.I. Festival')
1985, NL, Amsterdam, Festival
1985, NL, Arnheim, Festival
2008, D, Scheer, 'Klangbad Festival'
2010, PL, Wroclaw, 'IX Industrial Art Festival'
2015, D, Berlin, 'liquid sky berlin' (Alex-tv)



hier
alle informationen über videos & cassetten & platten etc.
(von 1982-)
 
 
NTL
'NTL', 1982, v.l.n.r.:
Pogo (gesang), Achim Wollscheid (elektronik, synthesizer, gitarren), Sea Wanton (gesang, elektronik, synthesizer), T.poem (bass, violine, effekte), foto von 'cherrypop'
  und in 2008 - Achim Wollscheid - Sea Wanton (artwork: Sea Wanton)

und in 2015 - Jammin' Unit & Sea Wanton (artwork: Jammin' Unit)

...durch die der gestank hochsteigt (text von Sea Wanton)

ausser sich vor wut, wirft der sänger seinen schmalen körper gegen den betonpfeiler.
krachen da die knochen?
lauter lärm, bassläufe und der wabbernde rhythmus des sequenzers
bohrt sich hinter die bühne - hinein in die zuckenden filmsequenzen.
viele bekannte gesichter, sogar in der grossen menge. 
bei diesem konzert ensteht die idee für 'NTL'. publikum ('80, FaM)

'Pogo' (von den 'Suburban Punx') reisst 'Genesis-P-Orridge'
das mikrofon aus der hand und jault sein
 "you need discipline" hinein.

GPO (video auf Youtube)

T.poem (auch bei 'Jean Gilbert') kennt alle 'Throbbing Gristle' 
aufnahmen, bevorzugt aber die geräusche von 'Whitehouse'. 

Achim Wollscheid (früher bei 'Die Edelweisspiraten') hatte mit neuen filmen 
und soundstrukturen schon jahrelang experimentiert.
Sea Wanton (früher bei 'Messehalle' und 'No Aid') hat sich erst gestern einen neuen synthesizer gekauft.
es kann also sofort losgehen !
die band nennt sich 'Non Toxique Lost' (kurz: 'NTL'). 
 ('LOST' ist ein kampfgas).
und da gerade viele cassettenvertriebe in Deutschland (und überall auf der welt) entstehen,
entsteht auch als erstes produkt eine cassette.
also besetzen wir 'Pogo' 's wohnung und übernehmen sein badezimmer (um den guten nachhall zu nutzen).

Roger Schönauer (von 'P16.D4') startet seine 'Teac' bandmaschine, 
'Pogo' schreit so viel wie möglich ins mikrofon. 
Achim Wollscheid schlägt wild auf seine gitarre ein und verfremdet die klänge mit 
flanger, phaser und verzerrer.
T.poem gründet dann (mit Peter Klum) ein cassette label, 'Can Can' , ein label, das nur cassetten veröffentlicht. 
('Can Can' " ist der bekannte französische tanz). 
hier also wird das erste 'NTL' produkt veröffentlicht (man beachte den titel: 'Ohne Titel').
ein paar tage später spielen die 'Losts' auch schon live.

T.poem erzeugt schreiendes gequietsche und schrilles klirren auf seiner geige.
Sea Wanton misshandelt synthesizer, sequenzer und tonband.
Achim Wollscheid schlägt auf seine 6-saitige 'Fender' gitarre ein, während 'Pogo'
zynisch, zusammen mit dem aufgewühlten publikum, "....wir sind zufrieden...zufrieden...", singt.
etwa in in der mitte des auftritts werden die verstärker ausgeschaltet
("ruhestörung" sagt der polizist - und wo er recht hat, da hat er recht !)

kein zweifel - ein proberaum muss her.

ein jugendzentrum wird gefunden, die verstärker werden wieder voll aufgedreht und kurz danach werden die
letzten zuhörer vertrieben ("...das ist nur krach. warum probiert ihr's nicht mal mit musik?")
also müssen die instrumente wieder eingepackt werden und nichts wie weg.
glück gehabt - es gibt schnell wieder einen neuen übungsraum.

genau über der pathologie der Mainzer universität. 
alles wird wieder aufgebaut und während wir üben, blicken wir hinunter auf die leichen, schräg durch die
löcher in der kaputten zimmerdecke, durch die der gestank hochsteigt.
die lautstärke wird also nochmals erhöht und 'Pogo' schreit, als ob er die toten da unten aufwecken möchte:
aber tote können nicht mehr tanzen !

irgend jemand aus der (universitäts-) verwaltung hat dann "ethische" bedenken und "siedelt"
die 'Losts' in einen sog. "echten" übungsraum um.
und hier beginnt der nächste teil der 'Lost' geschichte..

 
Sea Wanton Sea Wanton at the rehearsal room im "echten" übungsraum, 1983
(mit dem Korg MS-20, der MFB-rhythmusmaschine und demMFB-sequenzer,
gespielt über einen Novanex 100-OPS verstärker und T.poem's Revox tonbandmaschine)


weitere hintergrund informationen

es ist Joachim Stender, der alles irgendwann in 1981 startet.
er gründet die band 'Messehalle' und bringt den namen in das musikmagazin 'Sounds'.
einige wenige chaotische auftritte bringen eine kleine 'punk/new wave' fangemeinde.
sie spielen NDW-musik, mit Sea Wanton am bass.
viel eigenes material, aber auch cover-versionen von 'S.Y.P.H'., 'der Plan' oder 'Mittagspause'.
einige der songs werden auf dem cassetten-label 'Neuer Frühling'
(das sich auch manchmal 'Nouveau Printemps' nennt), veröffentlicht
aus 'Neuer Frühling' soll später das label 'Can Can' entstehen.
Joachim Stender verlässt die band und gründet 'P.D' (später 'P16.D4'), um wesentlich experimenteller arbeiten zu können.


Joachim Stender, 1980, foto von Selektion

Sea Wanton wechselt zur "neo post punk" band 'No Aid'.
'No Aid' klingen manchmal wie 'Hawkwind' oder 'Amon Düül'.
mit synthesizer, drums und bass verbreiten sie einiges an unmut, aber auch spass.
aber das publikum ist nicht besonders an ihren aggressiven und chaotischen auftritten interessiert.

NO AID '81 'No Aid', ca. 1981, v.l.n.r.: Sea Wanton, 'Pak' (Nikolas von Bevern), Mickey Koto, Renate von Bevern, Alex

also gründet Sea Wanton 'Non Toxique Lost'.
nach all dem gerede/streit über drogenkonsum und hippie-allüren soll eine politisch motivierte,
eine band mit "bewusstsein" entstehen. mit gewollten bezügen zu neuen kunstentwicklungen
und gegen die dummheit des "modernen zeitgeists".
zudem wird ein fanzine (titel: 'Handbook of Fun') veröffentlicht.
schwarz-weiss kopien, gespickt mit collagen und band-werbung. gleichzeitig
schreibt er in der (deutschen) 'Sounds' über sog. "cassttenproduktionen".

'Pogo', der begeisterte 'T.G.' fan, wird sänger (und singt nebenher auch noch bei den 'Suburban Punx').
Achim Wollscheid (heute bei 'Selektion') ist als erfahrener gitarrist und kunststudent
für die verzerrten und verhallten sounds zuständig.
T.poem spielt geige und schlägt die (selbstgebauten) stahlröhren.
Peter Klum hilft bei tonbandaufnahmen und klangcollagen.

live beim GEMINOX festival 1984 (Frankfurt) 'NTL', live auf dem 'Geminox-festival', 1984, Frankfurt

dann kommen die auftritte.
NTL spielen neben 'Psychic TV', 'Zos Kia' und 'Boubonese Qualk'.
1986 veröffentlichen 'NTL' ihr erstes album. die lp heisst 'Wanton' und enthält einige ruhige,
entspannte songs. doch die platte "floppt".
bei auftritten in Trier, Frankfurt, Berlin, London, Amsterdam und Arnheim (NL)
 versucht die band ihre erste lp zu verkaufen... 

the poster for the performance at the NL-Centrum, Amsterdam

obwohl Jammin' Unit (von 'Air Liquide') und Heiko Wöhler (synthesizer und sampler) noch bei zwei auftritten
in den Niederlanden (promoted von 'Staalplaat') the announcement of the performance at Arnheim als 'gastmusiker' aushelfen
,
verschwinden 'NTL' aus dem kreis der aktiven und einflussreichen
sog. "industrial music" bands, fast unbemerkt von kritikern und fans ...