propaganda
 

Sea Wanton, Pogo, Achim Wollscheid, T.Poem ( foto von 'cherrypop', 1982) 
2004...band-collage von 'Altronic Artworks' ..und Sea Wanton.skull
v.l.n.r.: Christian Reichelt, Sea Wanton, Alex Türpitz
  plakat vom 'Berlin Atonal 2 Festival', Berlin 1983

 cover der ersten lp, 'Wanton', 1986wanton
  Andy "Hettpenger" Laaf (im 'Enzian', Berlin, ca. 2008) Hettpenger

live at the Klangbad-festival 2008

live auf dem ' Klangbad Festival 2008' (in Scheer), line up: Achim Wollscheid, T.Poem, Sea Wanton, Christian Reichelt

live auf dem Wroclaw Industrial Festival 2010' (in Wroclaw, Polen), line up: Achim Wollscheid, Sea Wanton (foto aus dem 'Alternation' - zine)

Jammin' Unit + Sea Wanton, live in der 'Liquid Sky Berlin' show (Alex-tv, Berlin), 2015

BerliN aTonaL 2016, CD, Rigo D., 'Bad Alchemy 90/2016'

Überrascht von der faktizität der absurden ereignisse staune ich die welt an reiße auf die augen wasche mir die ohren renne was ich kann schreie dir ins leben damit auch du den mund öffnest!!! 'Non Toxique Lost'
Wir erinnern uns, 2012 - BA 73 - NTL steuerte dazu "ZeitRast LeTempsPasseViteTimeFlies" bei mit starken Argumenten für die Produktion von Egalität und gegen das Nichtwissenwollen. Dem folgte 2013 "Aphasie" (Klanggalerie, gg186, CDr) mit 10 neuen Songs von T.Poem + Sea Wanton, die wieder nicht viele Worte brauchen, um das Wesentliche zu sagen über Hirnwäsche, Märchenonkel, Gebetsmühlen. Als Sprachrohr von Sprachlosen. Mit "Träneninvasion" (Hic Rhodos - Hic Salta, usb memory card) aktualisierte NTL 2014 ein Wort von Holger Hiller, das 1980 auf einer Welt-Rekord 7" geschrieben stand. Es erklingt eine 'Letzte Warnung' an den 'Störfaktor Mensch' und bei 'Achtung' die Gitarre von Achim Wollscheid. Gleichzeitig erschien mit "En Face De La Raw" (Hic Rhodos - Hic Salta, CDr) einRückgriff auf NTLs Greatest Hits der frühen 80er,
die live beim Berlin Atonal Festival 1983 Furore gemacht hatten und den Grundstock bilden für "Pourquoi De Paix?" (Can-Can, C-60, 1983) ebenso wie für"Terre Et Argent" (Wachsender Prozess, LP, 2004): 'Ga Leschi Gambi', 'Mit Rita über die Gleise', 'Wer keinen Schmerz mehr spürt', 'Kriegstanz', 'Ich treffe Pee' etc. Seit 1.1.2016 tümpelt "TransientTeutonicChic" (Hic Rhodos - Hic Salta, file) als hochprozentige digitale Flaschenpost auf Bandcamp, mit dem 'Tanz um den Mondkrater' und der Botschaft: ein gott ist immer dabei immer-immer-immer dabei hab' nichts verloren hab's nur vergessen nur vergessen ging einfach unter war fast vergessen verloren will was von haben ja ich will was von haben von unserm neuen paradies und ein gott ist immer dabei immer-immer-immer... dabei. Anders als etwa Martin Lichtmesz mit seinem "Kann nur ein Gott uns retten?" (2014) und seinen Antaios-gläubigen Kameraden, die voller Identitätsphantasmen und Ressentiments gegen die Luftmenschen predigen, hält NTL trotz ähnlich apokalyptischer Vorzeichen - natodraht an grenzen und sekt in bunkern lügner betrüger schmarotzer - nichts von "feet of mud", von Mutters Rockzipfel, von Väter Sitte, den alten Liedern: das mach' ich nie ich machs nie nie nie links und rechts und auf den beinen grade stehn... singt weiter von
hallelujah singt weiter vom gelobten land singt weiter von ihren herrschern singt weiter von untertan singt weiter von der sonne singt weiter von kling undklang...kling und klang... Das scheint mir textlich verwandter mit Erik Mälzner und gedanklich kompatibler mit Slavoj Zizeks ‚befreiungstheologischer' Notwendigkeit, Väter und Mütter zu verlassen und angesichts des Rätsels des Anderen neu anzufangen. In zerrissener, unbestimmter Bestimmtheit und dringlicher Emphase: Wenn die seele brennt und dann der hunger kommt und dann die sehnsucht wächst und dann der wille drängt nach einem besseren leben für wen? von was? zu wem? ... wenn die
seele brennt… selbst wenn's mein ganzes leben kostet kann das doch nicht alles so sein das kann doch nicht so sein... so bleiben!!! Ich habe am fauchenden Gesang von Sea Wanton einen Narren gefressen und
halte seine Stimme für eine der eindringlichsten in unsrer 'Welt aus Stahl'. Daher die Idee einer erneuten Kollaboration. Gesagt, getan: "BerliN aTonaL 2016 Les fins du monde" liegt für die Abonnenten der BA 90 bei.
Mit Cem Oral aka Jammin' Unit (elektronische effekte), Gerd Neumann aka Sea Wanton (synthesizer + gesang) & Christian Reichelt (sound effekte). Mit Scherbenmund in der Narbenstadt nicht weniger Berlin
Noir als die Einstürzenden Neubauten oder Alec Empire, nur ohne Allüren.


 
'mit rita über die gleise' und 'kein selbstmord im kölner dom', Mona P., Berlin, 2003

                              Die Musik gilt zu unterteilen bzgl. Mitteilung der Songs durch die Texte, Gesangseinsätze und die Wahl der Instrumente. Der Rhythmus wirkt kontinuierlich harmonisch, trotz der Disharmonie. In den Songs  spiegelt sich: Schmerz, Verzweiflung, Aggressivität, Wahnsinn,  Angst, Wut, Aussichtslosigkeit, Tod, Sehnsucht, Sadismus, Demütigung und Erniedrigung, d.h., keine Melancholie oder
                              gar Selbstmitleid. Teilweise vernichtend und irre, sowie ein gewisser Fanatismus ist festzustellen. Es ist die Suche nach etwas,  das fremdbestimmt ist, tief verankert ist. Ein Seelen-Schrei nach Befreiung. Eine Komponente dieser ist die Liebe. Untergrund, d.h. , und der Tod, Chaos, Militärlaute.  Sehnsucht nach Auflösung. Zugfahrt ist Abfahrt. Zielsuche, d.h., new day, new love, new way. Der Einsatz des Xylophons (im Lied "mit rita über die gleise") erklingt weich und warm, sowie  mystisch, doch sehr schöner Einsatz,  chinesischer Laute, Instrumente. Das Lied "kein selbstmord im kölner dom" ist konfus, chaotisch und erschreckend. 
Eingesperrt, zerbrochen, die Seele zu zerbrechen unter Zwang, Schmerz und Schlägen abzuliefern auf der Müllhalde wie Dreck, Schmutz, Abschaum, ist ein Gefühl was ich kenne. Kindheit und Eltern. Ein Bild dazu: die Farben sind nicht unbedingt leuchtend, jedoch ist da der grüne Weg, das Herz, die Sonne oben links und die Unendlichkeit aus Erde und Blut. 

Non Toxique Lost - Chrrroooooom!, CD, 'Club Debil'

'Non Toxique Lost' gehört zu den Pionieren der deutschen Industrial-Szene. Das erste Album des Kollektivs erschien bereits 1983. Die vorliegende CD "Chrrroooooom!" ist eine Art "Best Of" mit Titeln von sechs verschiedenen Tapes "Made on Cuba", "NTL", Rekonstruktionen", "Tavo Ctas Esna","Ware 11" und "Wladiwostok 111984" - der größte Teil der Alben von NTL erschien auf diesem Medium. Vielleicht ist dies auch einer der Gründe dafür, dass die Band weitestgehend in Vergessenheit geraten ist. Bis zu ihrem Auftritt beim 2010er Wroclaw Industrial Festival sagt mir die Band überhaupt nichts, hatte ich auch noch nie von ihnen gehört. Dabei sollten gerade Freunde älterer Werke der Einstürzenden Neubauten oder auch von Throbbing Gristle dem Sound einiges abgewinnen können: Seltsame, geschriene Vocals und intellektuelle Texte, kleine, schräge Computermelodien und wirre Klanglandschaften, Loops und synthesizersounds, monotone metallische und elektronische Rhythmen...typische industrielle wölf Stücke auf jeden Fall. "Chrrroooooom!" ist keine leichte Kost aber definitiv Pflichtprogramm für Old School-Industrialfans und solche, die es werden wollen.

Reichstag lange nicht gebrannt, CD, Rigo D., 'Bad Alchemy 52/2006'

Reichstag lange nicht gebrannt

'Non Toxique Lost' Reichstag lange nicht gebrannt (Hic Rhodos - Hic Salta, CD-R): 
Warum von einer Veröffentlichung sprechen, die, auf 69 Exemplare limitiert, längst schon vergriffen ist? 
Weil es noch genug andere Möglichkeiten gibt, sich der Musik von NTLzu stellen, transportiert von den CDs /bin/med/usa
und siga siga (Dossier) oder den LPs ogre-sse (VOD) und terre et argent (Wachsender Prozess). Die 18 
Reichstag-Songs entstanden in der Besetzung  A. "Hettpenger" Laaf & A. Türpitz (electronics, drum machines, effects) 
und Sea Wanton (vocals, effects) und sie zerren und reißen an Herz und Hirn mit Attacken wie ‚Amerika / Europa‘ oder ‚
Armut und Kindersoldaten‘ und mit bösen Erinnerungen wie die an das Herero-Massaker 1904. Attacken, wie sie 
kaum eine andere deutsche Formation je so krass vortragen konnte wie NTL, um dabei in Wunden zu stoßen, die stinken 
wie ‚Verdorbenes Fleisch‘. Für‘s Feuilleton wäre NTL eine Schnittmenge aus den Einstürzenden Neubauten, DAF und 
Liaisons Dangereuses. Schreigesang, gehämmerte Stakkatobeats, giftige Noisewolken und von deutscher 
Geschichte überstäubte Samples bestimmen eine Ästhetik, die sich ihrer Wurzeln in der Undeutsche Härte der Jahren 
1982-85 nicht zu schämen braucht. Es dürfte allerdings fraglich sein, ob dem Biedermeierzeitgeist von Heute die Dringlichkeit 
solcher Aggressivität auch nur annähernd begreiflich zu machen ist. NTL versucht aber wenigsten, gegen eine Blauäugigkeit und 
Indolenz anzustinken, die sich weder durch TV-Kriegs- und Katastrophenbilder in Alpträume stürzen lassen, noch durch ökologischen
Raubbau, limitierte Energiequellen oder schwindende Jobperspektiven. Sehen so Sieger aus? Flink wie Schnäppchenjäger bei 
MediaMarkt, hart wie die Deutsche Bank, zäh wie gegrillter Windhund? Sind die NTL-Songs ‚signales perdues‘, die 
allenfalls als EBM-vorläuferisch und schlimmerenfalls als Teenage-Atari-Riot-epigonal durchgewinkt werden, um sich lieber von 
einem Rap-Großmaul vermeintlich brisante und authentische Sozialfrontberichterstattung diktieren zu lassen? Oder, schlimmer noch, 
nostalgisch von Verschwende-Deine-Jugend-Erinnerungen zu schwadronieren? Bereicherung, Plünderung, Profit, warum fällt es so 
schwer, solche Diagnosen wieder so wie Sea Wanton in den Mund zu nehmen, dass die Verachtung mit anklingt, den die ‚
Beutejäger‘ und ihre Anbeter verdienen?
 
 
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ohne titel, compact cassette, Thomas B., 'MAGAZINE 2, 1982 

die gruppe 'Non Toxique Lost' (auf deutsch: ungiftiges kampfgas),  kurz NTL, kommt aus Mainz und besteht seit 1982, wo auch 
G. Neumann (bekannt als GEN 82) die elektronik bedient. Ihre musik  baut hauptsächlich auf schnelle, mal hektische, 
aber manchmal kriechende, monotone, rhythmische sequenzerläufe auf (monoton in diesem fall nicht negativ), 
darüber eine unkonventionelle e-gitarre, immer wiederholend, und elektronische klänge/geräusche, mal eine melodie, 
mal atmosphäre, mal krach. in diesen sound bricht ein verrückt klingender sänger, mehr sprechend als singend, ein. trägt 
schreiend, beschwörend, auch mal nüchtern, interessante texte in hauptsächlich deutsch vor. das ganze klingt sehr 
energiegeladen, aggressiv oder wie es GEN 82 beschreibt: "schnellebige rhythmen, geräuschfetzen, klirrende 
gitarren und herausforderender sprechgesang"  ... keine klangliche übertreibung 
 ...für mich sind 'Non Toxique Lost' eine hervorragende und interessante gruppe. vergleichbares in deutschland 
(und rest der welt ?) kenne ich nicht. besonders zu empfehlen ist die erste cassette von NTL ("OHNE TITEL", c-20), 
die musik wie beschrieben, mit einer interessanten cover-graphik. aber auch alle anderen cassetten von NTL sind nicht "schlecht", 
bzw hörenswert, sicherlich für alle interessant, die diese art von musik mögen. 
 

/bin/med/usa, CD, Zipo, 'auf abwegen, Nr. 35, 2005'
/bin/med/usa
  Nicht immer ist die Entwicklung der Technik für Musiker ein Segen, wie das Beispiel NTL zeigt. Die aktuellen
beiden CDs arbeiten nämlich vordergründig mit Sequenzern und haben größtenteils den Charme des Frühwerks
verloren. Was bei NTL immer noch fabelhaft klingt, sind die selstsamen, in den Gesamtsound eingeschraubten
Lyrics. Aber die allzu bemühten,aufpeitschenden Beats übertünchen doch viel an Atmosphäre. Auf Vinyl klingt
die Gruppe wesentlich chaotischer und krimskramsiger. Ogre S se versammelt einige Liveaufnahmen, u.a. vom
legendären Atonal Festival in Berlin. Terre et Argent hat frühe Studiotakes parat, die eine skurril schimmernde
Mischung aus Cold-Minimal-Beats und archaischem Getrommel sowie kratzelnden Gitarren darstellen. Ver-
schwende deine Jugend, auch du, Achim. Hier erstrahlen NTL als die Fürsprecher einer emanzipatorischen
Haltung - gerade auch im Untergrund. Wir sind zufrieden...


/bin/med/usa, CD, Marc H., 2003

Raumpatrouille XV 3: Wir empfangen undeutliche Signale vom Planeten Erde. 
Der Absender heisst 'Non Toxique Lost' (NTL). Das klingt nach einer giftigen 
Zusammensetzung einiger Erdlinge. Ihr digitales Werk nennt sich "/bin/med/usa". 
Die Geräusche sind schwer zu koordinieren. Sie klingen sehr massiv, aufreibend und eigenwillig. 
Ebenfalls sind vokale Laute eines energischen Subjekts auszumachen. 
Wahrscheinlich handelt es sich um verschlüsselte Botschaften. 
Eine davon heisst: "In Buchenwald wächst das Kraut des Vergessens". 
Ich habe die Mitteilung bereits an unsere Försterei-Analytik-Einheit weitergeleitet. 
Jetzt wissen wir, warum die Menschenherrscher so gern Kraut rauchen. 
Zwischen den Botschaften gibt es immer wieder hoch frequentierte Störgeräusche. 
Zudem benutzt der Erdling ein schwaches Mikrofon, so dass er immer wieder schreien muss. 
Trotzdem wollen wir die 50 Minuten nach Erdrechnung zu ende hören. 
Denn mittlerweile haben wir an der skurrilen Mischung aus synthetischen Klängen 
und martialischem Gesang Gefallen gefunden.
Der Erdling gibt uns weitere Informationen: "Tausend Lügen = 2000 Augen". 
- darin scheinen uns die Menschen überlegen zu sein. 
Vielleicht können wir doch noch was von diesem sonderbaren Volk lernen. 
Wir nehmen Kurs auf den blauen Planeten. 
Eben ereilt uns eine neue Mitteilung: "Fade away, can't stay". 
Wir drehen ab, ist vielleicht auch besser so. 
 

/bin/med/usa, CD, S. Chauque, 'MEDIENKONVERTER'

Die Berliner Formation NTL existiert bereits seit ungefähr 25 Jahren und 
zählt mit ihrer politischen, elektronischen, experimentellen Musik als lebende 
Legende, die mit Bin Med Usa ihr neustes Release, nach "Siga, Siga", feiern. 
Das ehemalige Quartett ist zwischenzeitlich zu einem Trio 
zusammengeschrumpft, sodass NTL momentan aus dem Vocalisten 
Sea Wanton, C. Reichelt und A. Türpitz (beide; Synthesizers, Drum, Effects) besteht. 

Zu Dritt haben sie an neuen elektronischen Sounds gearbeitet, von denen 
Bin Med Usa sechzehn Tracks zu bieten hat. Gleich zu Beginn schallt einem 
die "Adresse:Boese"- Parole entgegen: Schwarz-Weiß-Rot, dass ist wie tot! 
Assoziiere ich so ziemlich mit den Rechten, macht die CD auch gleich 
sympathischer und aufmerksamer macht's mich obendrein. 
Feststellen muss ich dann allerdings, dass NTL schwer zugänglich und 
schwer verdaulich ist. Zum Beispiel "bin/med/usa I", ist nicht nur experimentell, 
sondern hört sich auch sehr verworren an, wobei die Musik nicht einmal schnell ist. 
"Die Schneekönigin" schließt sich da an, wobei man hier noch Gitarren-Elemente hat. 
"Uno Momento Por Favor" weist melodische Züge und eine feste Struktur vor, 
wird begleitet von kurzen und schnellen Vocals. "2000 Augen" klingt nicht nur 
schizophren, sondern arbeitet auch mit einer düsteren, drückenden Atmosphäre, 
einer scharfen Electronic und einem bohrenden Sound. Dann gibt es mit "Buchenwald" 
wieder eine enorm politische Orientierung: "In Buchenwald wächst das Grauen des Vergessens", 
wobei der Sound angemessen aggressiv verläuft. Mit "Fade Away" kommt eine 
kleine, aber angebrachte Wende. Melodische und rhythmische Strukturen, angenehm, 
entspannter und einladender Sound. Eine Erholung nach den ganzen harten Elektrobeats 
und Industrial-Elementen. Nach dem Break geht es aber wie gehabt weiter; dumpfer 
Sound, Echo-Elemente, kurze Spielzeit. Noch mit nennenswert ist "Wendy", wobei 
Sea Wanton schon eingangs erwähnt "..seltsam, seltsam.." 

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht was ich von dem 'Non Toxique Lost' Album halten soll. 
Die Produktion ist gut, Monotonie ist ebenfalls kein Thema und der Sound ist absolut 
nicht vergleichbar mit dem was es momentan an Übermaß gibt. Wahrscheinlich habe 
ich den Sinn dahinter nur nicht verstanden, jedenfalls ist Bin Med Usa ein wirkliches 
Belastungstraining. Wer sich selbst davon überzeugen möchte.. Nur zu. 
 
 

/bin/med/usa, CD, Andrea H., 2004


                              Faktische Abrechnung mit dem Unausweichlichen (die neue cd heisst "/bin/med/usa") 

                              So muß es sich anhören, wenn Klaus Kinski mit den Einstürzenden Neubauten, Prodigy und 
                              Björk einen trinken geht. 'Non Toxique Lost' kriegen eine gnadenlose Symbiose aus netten, 
                              groovigen Beats, brachialen Lauten und kryptischen Klängen hin, die durchweg die gequälte, 
                              theatralische und zerreibende Stimme des Erzählers/Sängers zu übertönen scheinen. 
                              Maschine besiegt Mensch. Die Atmosphäre gleicht dem Hinabsteigen in einen Folterkeller, 
                              aus dem einem Techno-Beats entgegenwummern. Angelockt von der guten Musik öffnet 
                              man die Tür und entdeckt ein Bild des Grauens. Die Texte handeln von Wut, krankhafter 
                              Leidenschaft, Verzweiflung und Resignation, ohne dabei selbstmitleidig zu wirken. Es werden 
                              einfach die nackten, unbarmherzigen Fakten dargestellt, ohne eine Lösung anzubieten, wie
                              man aus dem dreckigen Sumpf auftauchen kann. Fazit: die Welt ist hart, die Menschen kaputt 
                              und das Leben voller Feindseligkeit. 'Non Toxique Lost' locken den Hörer mit netten 
                              Chill-out-Rhythmen, die sich dann zu einem beklemmenden Alptraum entwickeln. Trotzdem 
                              ist "/bin/med/usa" im Vergleich zu den vorherigen Alben von 'Non Toxique Lost' um vieles 
                              eingängiger, was auch daran liegen mag, daß die Songs deutlich kürzer sind. Die Palette reicht 
                              von aggressiv und wutverzerrt ("everybody’s darling") zu entspannt und lässig 
                              ("uno momento por favor") bis hin zu humorvoll und verspielt ("wendy"). In ("schlechte wahl") 
                              finden sich Anklänge an frühe Depeche Mode Songs. Die düster poetischen Texte stehen 
                              teilweise in krassem Gegensatz zu den lockeren, tanzbaren Rhythmen; weiche Instrumente 
                              (z.B. das Didgeridoo in ("uno momento por favor")) werden mit harten, oft Neubauten-mäßigen 
                              Sounds verschmolzen. Es ist absolut lohnenswert sich "/bin/med/usa" immer - und immer 
                              wieder anzuhören!  (kritik von A. Henschel (2004) )
 
 
/bin/med/usa, CD, Walter R., 'Evolver'


  Stil ist irrelevant 
Eine wiederauferstandene deutsche Kultband zeigt den Jungspunden, wo der Bartel den Most herholt. 
Diesmal nicht nur auf Kassette. 
'Non Toxique Lost' wurden 1980 von vier bereits aktiven Musikern in Berlin (wo sonst?) gegründet. 
Sea Wanton, Achim Wollscheid und S. Schütze treffen auf einen Punk namens Pogo, der bei einem 
Throbbing-Gristle-Konzert deren Sänger Genesis P-Orridge das Mikro entreißt und 
"You need discipline" hineinschreit. Wie so viele andere rufen auch sie mit einer gehörigen Portion 
DIY-Ästhetik ein Kassettenlabel ins Leben und beginnen, erste eigene Aufnahmen herauszubringen. 
Das Wort "Lost" aus dem Bandnamen entstammt übrigens nicht vom englischen Begriff für "verloren", 
sondern bezieht sich auf ein Giftgas, das von den Deutschen im Ersten Weltkrieg verwendet wurde. 
Von Anfang an sehen sich NTL als politische, experimentell-elektronische Band mit der Maxime 
"Stil ist irrelevant". In ihrer ersten Aktivitätsphase erscheint nur ein Vinyltonträger, alles andere
Material verstreut sich auf heute völlig unauffindbare Kassetten. Die Platte übrigens erschien 
damals ebenso nur in eine Auflage von genau 100 Stück, Suchen ist also so gut wie zwecklos. 
Seit kurzer Zeit sind NTL wieder aktiv - und zwar aktiver als je zuvor. Auf den deutschen 
Labels Vinyl-on-Demand und Wachsender Prozess kamen vor kurzem zwei LPs mit Archivmaterial 
heraus, und auch eine CD namens "Siga Siga" ist seit einiger Zeit erhältlich. Am erfreulichsten aber 
ist die Tatsache, daß die Band auch neues Material produziert, und dieses ist auf der eben 
erschienenen CD "Bin/Med/USA" zu hören. 
Darauf präsentieren 'Non Toxique Lost' eine unwahrscheinliche Fülle elektronischer Sounds. 
Von brutalen Elektrobeats über 80er-lastige Industrial-Collagen bis hin zu fast poppig 
anmutenden Kraftwerk-Sounds ist auf dem Album alles vertreten. Natürlich fehlt auch heute 
nicht das politische Statement (siehe Titel) und die Kritik an der Geschichte wie auch Gegenwart 
des eigenen Landes ist nicht zu überhören. "In Buchenwald wächst das Grauen des Vergessens", 
intoniert Sea Wanton auf der gleichnamigen Nummer. "Ich bin verloren, bin vergessen", eine 
andere Textzeile, erinnert an die Neubauten und den Berliner Pessimismus der frühen Achtziger Jahre. 
Alles in allem bietet "Bin/Med/USA" eine erstaunliche Bandbreite elektronischer Klänge von damals 
bis heute. Es ist rhythmischer als ältere Aufnahmen der Band, ohne jedoch nur nach 2005 zu klingen. 
'Non Toxique Lost' sind eine Band, die es definitiv wiederzuentdecken gilt. Und ausnahmsweise liegt 
das britische Magazin "The Wire" einmal daneben, wenn es meint, es wäre nicht verwunderlich, daß 
sich Achim Wollscheid nicht mehr fuer seine alte Band interessiert. Denn so spannend wie diese CD 
hat eigentlich schon lange nichts geklungen. 
 
 

ogre-sse, LP, Hans P., 'Zores auf Radio Z', 7.3.2006 
ogre-sse
 

Platten, die bei Vinyl on Demand rauskommen, sind als Wiederveröffentlichung meist nicht neu, 
aber es gab sie so oft auch gar nicht. Es langte damals grad' zu Cassetten. Ein Spiel mit Paradoxien, 
das zurückverweist auf die Zeit, die in Erinnerung gerufen wird und sich gelegentlich in ihren Produkten als 
erstaunlich virulent erweist, allen stattgehabten Entwicklungen und Nivellierungen zum Trotz. 
Die Einstürzenden Neubauten sind inzwischen Kulturbotschafter der Bundesrepublik Deutschland geworden, 
Throbbing Gristle geben wieder Konzerte. 'Non Toxique Lost', mit dem nicht so einprägsamen Namen, nahmen nach 
längerer Auszeit aktuell neues Material auf. Damit ist auch schon assoziativ die Ästhetik umrissen: 
Industrial, im ziemlich konkreten Sinn des Wortes, als Wahrnehmungsproduktionsmaschine und Referenzebene. 
LOST ist übrigens ein deutsches industrielles Produkt, eine Pioniertat auf dem Giftgaswesen und im 1. Weltkrieg zum Einsatz gekommen... 
"Der Tod des Soldaten ist beschlossene Sache" "And what is rock´n roll all about? It´s about fucking, and fucking, and..." 
Die Zeit geprägter Sätze, finsterer Statements, der Versuch, die glänzende Fassade der Kulturindustrie niederzureissen und die 
Maschinerie der Entfremdung dahinter freizulegen, Blut Schweiss und Tränen derer zumindest, auf deren Kosten 
der versprochene Spass geht. "style ist irrelevant" - das wenigstens ist eine inzwischen weit verlorengegangene Haltung 
und trifft sich doch mit dem aktuellen sweatshopkritischen "Made in Hell" zum Weltfrauentag. Letztlich arbeiten wir alle 
der Hölle ein wenig zu, aber niemand muss sich auch noch dafür begeistern. Fun wiederum ist ein Stahlbad, und von denen, die sich 
da reintrauen, lernen Einige sich da drin ganz munter zu bewegen und ihre Spielchen zu machen. Es gibt eben kein 
richtiges Leben im Falschen. Aber für den Augenblick war es richtig, notwendig und insgesamt vergeblich. 
Mit gelegentlichen Gästen arbeiteten sich Achim Wollscheid (Git, synt); S. Schütze (Violine, b) und Sea Wanton (Ges, electr) 
durch ihre Rhythmusgewitter, traten u.a. 1983 beim wohl einigermassen legendären Berliner Atonal 2 Festival und andernorts auf. 
Je ein track dieser Platte zeugt davon, nämlich von Frankfurt 1984 und Amsterdam 1985. Ansonsten gabs einige Tapes 
und kurz vorm Aufschlagen der neuen deutschen Welle ein Vinyl in Kleinstauflage von Sea Wanton. 
Erst neuere Hardtechnoveröffentlichungen von Chrislo Haas (Ex-DAF, ex-Liaison dangereuses) ermunterten Mitglieder 
der Band zu einem Neuanfang, der sich in inzwischen bereits zwei Tonträgern niedergeschlagen hat. "Ogre-sse" von 
'Non Toxique Lost', grossartiges und erstaunlich unverbrauchtes Material, bleibt wohl was für SpezialistInnen, für 
FreundInnen von Hingabe, Schmerz, Wut, Trauer, Aggression und politischem Interesse, inzwischen wohl auch 
Nostalgie und einem deswegen um so notwendigeren kühlen Kopf.... 
Anspieltipps 'Non Toxique Lost': Der Tod des Soldaten, Zufrieden, Ga leschi gambi, Wer keinen Schmerz mehr spürt, Kriegstanz 
 
 
ogre-sse, LP, 'Pomidor', www.clubbing.slask.pl

Coraz czesciej najrozmaitsze wytwórnie zgodnie z panujaca moda powrotów do korzeni wydaja na nowo klasyki, 
nierzadko opatrzone dodatkowo "modnymi" remixami. Vinyl-On-Demand jest jednak nieco innym typem 
wytwórni, specjalizuje sie, bowiem przede wszystkim w wypuszczaniu na rynek starych nagran, które nie mialy szczescia 
byc wydane w swojej "mlodosci". Na ich plytach odnajdziemy, zatem mroczne lub innowacyjne utwory twórców niemieckiej, 
industrialnej badz experymentalnej sceny, z lat 70-ych i 80-ych. Czasami równiez w katalogu mozna odnalezc 
dzwieki takich odmian muzyki jak noise czy wave. Jako 13 wydawnictwo ukazal sie album grupy 'Non Toxique Lost'. 
Zawiera on 13 zremasteringowanych na nowo tracków, nagranych w latach 1983-85. Jest to pozycja o tyle unikatowa, 
ze jedynie czesc z tych utwórów ukazalo sie kilkanascie lat temu na kasetach, jednakze znaczna wiekszosc pochodzi 
z koncertów grupy i nigdy nie zostala wydana. Jesli chodzi o warstwe muzyczna, mamy do czynienia z "czyms" 
(jak sami twórcy okreslaja) w rodzaju "primal industrial-punk", który brzmi nie mniej wiecej jak noise, 
co sprawia, ze do tej plyty trzeba podejsc w odpowiadni sposób. Byc moze wlasnie nieprawidlowe podejscie niektórych osób 
jest powodem, dla którego ten gatunek ma raczej wiecej przeciwników niz zwolenników. Jednak podazajac za mysla 
jednego z bardziej znanych twórców noisu (Masami Akita aka Merzbow), jesli spostrzezemy pop jako pewnego rodzaju 
"uporzadkowany halas", wnet, jakikolwiek dzwiek równiez bedzie mógl byc uwazany za muzyke. Takie rozumowanie 
zdecydowanie bardziej przybliza nam ten material. Pierwsze dwa utwory pochodza z koncertu w Amsterdamie z 1985 roku. 
"Der Tod Des Soldaten" jest polaczeniem urywanych glosów, zakurzonych szumów rezonansu radiowego oraz wszelkiego rodzaju 
przesterowanych szmerów. Co ciekawe ów track zawiera nawet rytm, który jest rzadkim gosciem na tym albumie. 
Za jego odliczanie odpowiedzialne sa ordynarne, industrialne uderzenia. Podobnie rzecz sie ma z nastepnym nagraniem, z tym, 
ze jednak klimat w nim zawarty nie jest juz tak gesty i smolisty jak u jego poprzednika. Z poczatku glównym motywem wydaje 
sie byc turkot pociagu, któremu towarzyszy odglos metalowego gongu oraz róznych krzyków. Nastepnie track odkrywa przed nami ladne tla, 
staje sie wrecz melodyjny. Innymi ciekawymi utworami sa niby-ebm'owy "Wer Keinen Schmerz Mehr Spürt" posiadajacy ladne 
fortepianowe zakonczenie, a takze bardzo agresywny "Kriegstanz". Calosc w mniejszym lub wiekszym stopniu wydaje sie byc 
odzwierciedleniem industrialnych odglosów, przez co album ten brzmi bardzo metalicznie i niejednokrotnie ciezko. 
Nasi bohaterowie zadbali równiez o typowe nagrania zaopatrzone w wysokie czestotliwosci, dzieki którym moga w bardzo 
szybki sposób przyprawic swych sluchaczy o ból glowy, sa nimi, np. halasliwy "Montmartre" czy wyjaco-piszczacy "Jedes Wort Ist Wahrheit". 
Mimo wszystko zaliczam te pozycje do grona ciekawych, niedbalosc o rytm lub jego czestokrotne zupelne pominiecie - topi 
wszelkie nadzieje na tanecznosc, praktycznie kompletny brak jakichkolwiek wpadajacych w ucho motywów pozwala spojrzec 
na te muzyke z nieco innej perspektywy. Na pewno jest to swego rodzaju skrajnosc, lecz warto jej skosztowac. 
Tracklista: 
A1 Der Tod Des Soldaten 
A2 Zufrieden 
A3 Hair 
A4 Der Läufer 
A5 Ga Lesch Gambi 
A6 Jedes Wort Ist Wahrheit 
B1 Einsicht (A Suivre) 
B2 Wer Keinen Schmerz Mehr Spürt 
B3 München Um 6 
B4 Montmartre 
B5 Pdg 
B6 It's Because 
B7 Kriegstanz 
 
 

ogre-sse, LP, Alexander P., 'Back Again' 

'Non Toxique Lost' existiert als musikalisches Projekt bereits seit 1982 und kann 
unter anderem auf einen Auftritt bei einem der legendären "Berlin Atonal"-Festivals 
der damaligen Zeit zurück blicken. Auch mit dem bekannten Staalplaat-Label wurde 
zusammen gearbeitet und nun hat Vinyl-On-Demand (wer auch sonst?) eine LP der 
Gruppe zusammen gestellt, die sich in die Reihe vieler Tapes und einiger Vinyls 
und CDs einreiht. Auf der Homepage der Gruppe findet sich gleich am Anfang der 
Hinweis "in memoriam: John Peel, Chrislo Haas, John Balance", was den Besucher 
zum einen schmerzlich daran erinnert, dass drei wichtige Figuren der Underground- 
Szene in kurzer Zeit von uns gegangen sind (man hätte vielleicht auch noch Fad Gadget 
erwähnen können...) und zum anderen einen Hinweis darauf gibt, dass man es hier mit 
ambitionierten Independent-Künstlern zu tun hat. Wieder einmal ist die Platte in eine schön gestaltete 
Hülle verpackt und zusätzlich gibt es ein 20seitiges DinA5-Booklet mit Bildcollagen. 
Musikalisch bewegt sich 'Non Toxique Lost' im damals gern begrasten Feld der Harmonie-Zerstörung, 
das heißt, übliche Songstrukturen werden gnadenlos aufgelöst und durch pure Klänge ersetzt, 
ähnlich, wie die Einstürzenden Neubauten, Die Tödliche Doris, P16.D4 oder Sprung Aus Den Wolken 
und unzählige weitere, unbekannt gebliebene, Bands es in unterschiedlicher Art und Weise praktiziert haben. 
Auch die ganz frühen Controlled Bleeding oder, in etwas strukturierterer Form Foetus 
sind nicht so ganz weit weg. Die frühen Liveaufnahmen von Psychic TV kann man 
ebenfalls vorsichtig als Vergleich heranziehen. Wer sich vorher nie mit solchen Klängen auseinandergesetzt hat, wird die Aufnahmen 
auf dieser Platte wahrscheinlich nur für puren Krach halten. Wenn man aber die damalige Zeit bewusst miterlebt 
und sich mit ihr beschäftigt hat, wird einem klar, dass wohl nur damals solche Aufnahmen entstehen konnten und ihren Sinn hatten. 
Heute muss man das natürlich eher als Zeitdokument sehen, aber damals war bei vielen 
Jugendlichen das Lebensgefühl düster und destruktiv und das wurde in Klänge umgesetzt. 
"Ogre-Sse" ist keine leicht zu verdauende Platte, zum nebenbei Hören ist sie sowieso nicht geeignet, 
aber dafür eine ausgesprochen spannende. Und wenn ich dann sogar noch bei den Danksagungen auf dem Cover entdecke, 
dass offenbar mein alter Freund Peter Klum (siehe die Band Jean Gilbert auf dem "Schau Hör Main Herz Ist Rhein"-Sampler) 
an einem Track mitgewirkt hat, dann reihe ich die platte doppelt gerne in meine Sammlung ein. (A.P.) 
 
 

ogre-sse, LP, Detlef "Meister" S., 'www.punk-ist-wie-ne-religion.de'

Aufnahmen von 1983-85, wenn überhaupt damals nur auf internationalen Cassetten-Samplern erschienen, 
also, die kannte selbst ich bis dato nicht. Dieser Frank Maier von VOD (=VINYL-ON DEMAND) 
bringt einfach unglaubliche Sachen auf Vinyl, hat nix mit Nostalgie zu tun, vielleicht kommen wir 
in Deutschland schon bald wieder in eine Art Berlin-Wall-Krieg-in-den-Städten-Stimmung, aber 
dann nicht nur in Berlin, sondern überall. Wer weiß? 'Non Toxique Lost' jedenfalls ist hypnotischer Industrial-Punk d
er allerersten Güte, das will ich Euch sagen! Textprobe: 'Der Tod des Soldaten ist beschlossene Sache' (aus 'Der Tod des Soldaten'). 
'And What is Rock'n'Roll all about? It's about fucking, and fucking, and...' (aus 'Einsicht') oder 
'Redundante Information Wir wollen keine Gewalt Informationsdefizite Wir wollen Konfrontationen vermeiden 
Nachrichtenwert Wir sind effizient Kopflose Kommunikation Werden wir angegriffen Moderne Technologien 
Wehren wir uns neu und Wahrheit Wir sind zufrieden...We are satisfied...Wir sind zufrieden (aus 'Zufrieden'). 
Der Sound ist einfach genial, aber Vergleiche mit Sprung aus den Wolken oder Neubauten hinken irgendwie auch. 
Hart, gut, hypnotisch, unbeschreiblich. Das bekommt im Jahre 2005 eine ganz neue Bedeutung. 
Hat nichts mit Nostalgie zu tun. Eher mit Zyklen, die Noam Chomsky kürzlich ansprach. 
Aber das würde jetzt hier zu weit führen. Wichtige Platte, wichtiges Label. 
Es müssen noch einige Sachen zu Ende geführt werden... 
 
 
 

ogre-sse, LP, Rigobert D., 'Bad Alchemy 7/2005'

Ogre-Sse (VOD13, LP) ist nach Terre et argent auf Wachsender Prozess (-> BA 46) die bereits angedeutete 
zweite Wiederkehr der Postpunk-Experimentalisten 'Non Toxique Lost'. Von der Formation aus 
Sea Wanton, Pogo, Steffen Schütze & Achim Wollscheid wurde weiteres Studio- & Livematerial zur 
Neugewichtung vorgelegt, darunter Ausschnitte ihrer Auftritte beim Berliner Atonal 2 (2.12.83), 
im Geminox, Frankfurt (9.6.84) und vom kontroversen Gastspiel in Amsterdam (4.10.85). 
Es gibt Überschneidungen, wobei man den 'Kriegstanz' gar nicht oft genug hören kann. 
Auch 'Zufrieden', 'ga leschi gambi' und 'Wer keinen Schmerz mehr spürt' verbrauchen sich beim 
Mehrmalshören nicht, im Gegenteil. NTLs Beitrag zum programmatischen Nonkonformismus 
jener Jahre, die Weigerung, "in das miese, vorgefertigte System der Idioten einzusteigen" 
(wie der Pressetext zum Atonal 2 verlauten ließ), bestand darin, fremde Sprachen im eigenen 
Unland zu sprechen, verzerrte Phrasen wie 'Der tod des soldaten' (ist beschlossene Sache), 
der paradoxe Schrei (oder was ist das sonst, wenn man "wir sind zufrieden" brüllt 
wie auf kleiner Flamme geröstet?), das Wortspiel: "'hair' (seid ja so allein c'est l'anarch...qui? hair et lutter)", 
dazu undeutsch polyglottes Gestammel: 'ga leschi gambi' ... and what is rock'n roll all about?... 
qui c'est la neige qui c'est la reve... it's because... you dream.. about fucking, and fucking, and... 
musik musik musik mein ganzes leben ist...verstümmelt ist der leib der schrei rast um die welt'. 
Ein Schrei, eine Power und eine kreativ-expressive Verve, die in ihrer gleichzeitig zähnefletschenden 
Over-the-topness und fast schon wieder lakonischen Kakophonie heute Ihresgleichen schwer fände, 
zumindest im Inland. Wollscheid erinnert sich: "Es war ne seltsame Zeit, damals. Die Lebensenergie, 
gleichzeitig eine Gleichgültigkeit gegenüber irgendwelchen Standards, auch ne gewisse Arroganz 
denen gegenüber, die es angeblich besser konnten oder wussten..." Federführend für die Retrospektiven 
ist allerdings weder der Selektions-Macher in Frankfurt noch Schütze, der damals den Spagat zwischen 
Whitehouse und Josef Anton Riedl beherrschte und der heute angeblich nochmal ein Studium aufgenommen 
hat. Treibende Kraft ist Wanton, der, inzwischen in Berlin, NTL am Leben gehalten und für 2006 sogar 
ganz neues Material in Vorbereitung hat. Für nächstes Jahr ist auch die vollständige Veröffentlichung der 
Atonal-Attacke geplant, mit Artwork von Schütze und Fotos, Statements, Reminiszensen alter Weggefährten 
sowie Rezensionen. Was hat Adi Atonal damals verkündet? "Die stinkenden Versuche eingebildeter Zyniker 
und Charaktermasken in den Medien und hinter den Kulissen, mit Businessmethoden jeden Ansatz, etwas 
anderes zu tun, kaputt zu kriegen, werden überlebt." Nun, einige von uns haben sich dieses Überleben in die 
heutige "unübersichtliche (oder, besser, undurchfühlbare) Zeit", wie Wollscheid so treffend anmerkt, doch 
etwas anders vorgestellt. Wie sagte Pinguin Sr. kürzlich zu seinem Sprössling: "Als ich noch ein Adler war..." 

ogre-sse, LP, Martin Büsser, 'Testcard #15'

'Non Toxique Lost' haben sich der weil jeglicher Genrezuweisung ent-
zogen, auch wenn man ihre atonalen, dunklen Collagen möglicherweise
einmal dem Industrial zugerechnet haben mag. Ähnlich wie ihre Mainzer
Kollegen P16.D4, zu denen es auch personelle Überschneidungen gab,
waren 'Non Toxique Lost' allerdings mehr am Ausloten von musikalischen
Grenzen gelegen. Restformen von Songs (ein permanent intoniertes
und natürlich völlig unglaubwürdiges "Wir sind zufrieden!") und Löcher
fressende Synthies fassen die ganze damalige Wut, Fassungslosigkeit
und Lust an Konfrontation in einem akustischen Donnerschlag zusam-
men. Rigobert Dittmann erklärte dies kurzerhand zu "trashigen Vor-
läufern von Atari Teenage Riot"‚ womit Letzteren eigentlich
ziemlich geschmeichelt wird, hatte deren Wut doch bereits eine eng abgesteckte
Form angenommen, der sich 'Non Toxique Lost' konsequent verweigerten.

 


terre et argent...und rechts das cover der 2.ten edition....terre et argent
terre et argent, LP, http://virb.com/aemag/page/2

NON TOXIQUE LOST
»Terre Et Argent« LP, 2te Edition
Reduktive Musiken
'Non Toxique Lost'’s LP-Wiederveröffentlichung alter Kassettenpublikationen, aufbereitet mit geschmacklich hochwertigem Siebdruckcover in Eigenherstellung
Reduktive Musiken und der Wachsende Prozess zeigen mit dieser Veröffentlichung einen angenehmen Weitblick, zumal Reduktive Musiken wenig Vinyl aus
dem eigenen Hause anbietet. »Terre Et Argent«, ein Paradebeispiel wie Achtzigerindustrial klingt, bietet neben übersteuerten Gitarrenformationen, geräuschhaften
Synthesizerläufen und einer Unmenge an Delays und weiteren DIY-Effekten eine Vielzahl noisiger Klangwerke, deren Rhythmik und musikalische Akzentenbetonung
teilweise an die frühe Neuzeit herankommt und die Einstürzenden Neubauten in Längen schlägt. Während die Instrumentale eine gewisse Charmehaftigkeit und
Raffinesse beinhalten, sind die teilweise in extremer Manier verzogenen Schlagwortkanonaden des NTL-Vokalisten seltsam gedämpft in den Hintergrund gepaart
mit dem Effekt, dass man jegliche Vokalität gedanklich den industriellen Synthesizerschamanentänzen zurechnet, die einen hier empfangen.
Apropos: überhaupt ist die NTL-Platte ein eigenes klangliches Biotop, welches sich über diverse Musikrichtungen hinwegsetzt: miasmatische Synthesizerschlieren,
torpedoartige Gutturalnoiseelemente und der teilweise verblüffende Einsatz geradliniger Schlagzeugrythmen.
Um ansatzweise den ersten Titel zu rezitieren: eine mehr als (zufrieden)stellende Platte.

 
 

terre et argent, LP, Detlef "Meister" S., www.punk-ist-wie-ne-religion.de

'This was a lot of fun, especially if you did it yourself. 
But in the end, it got on the audience's nerves.' Lorenz Lorenz 

Nachdem ich erst 20 oder 25 Jahre später 'Non Toxique Lost' durch die auf VOD 
releaste LP OGRE-SSE kennen, hören und schätzen gelernt habe, kann ich Euch 
nur wärmstens die TERRE ET ARGENT LP von NTL empfehlen. Sämtliche Aufnahmen 
erschienen seinerzeit nur auf raren Tapes, und auch diese LP hier wird 
schnell vergriffen sein, daher: watch out! 

Das Projekt um Sea Wanton, Achim Wollscheid (S.B.O.T.H.I.), Cem Oral (später bei AIR LIQUIDE) 
und anderen braucht sich meiner Meinung nach nicht hinter Vergleichen mit 
THROBBING GRISTLE, THE CRASS oder SPK verstecken. Aber da selbst mir NTL 
damals dadurchgegangen sind, wissen auch andere Krach-Liebhaber manchmal 
gar nichts von der Existenz dieses wichtigen Materials. 
Wird oft als Industrial-Punk bezeichnet, weil sich im Noise durchaus politische 
und gesellschaftskritische Manifeste verbergen, also keine sinnentleerte 
Avantgarde, wie sie in heutigen Zeiten oft missverstanden wird. 

'Die Nadel durch den Kopf 
heraus spritzt Schmerz und Blut 
Der Schrei brüllt durch die Welt 
Wer diesen Schmerz verspürt 
Die Grenze ist erreicht 
Der Schmerz schlägt um in Lust 
Ein Schrei jauchzt durch die Welt 
Wer keinen Schmerz mehr spürt 
Der Körper geht kaputt 
Die Schaukel schwingt langsam aus 
Verstümmelt ist der Leib 
Der Schrei rast um die Welt 
Der keinen Schmerz mehr spürt' 

Die Tracks 'Zufrieden', 'Wer keinen Schmerz mehr spürt' und 'Kriegstanz' 
sind auch auf der OGRE-SSE vertreten, allerdings in anderen Versionen. 
Ansonsten empfehle ich dringend das laute Hören von Tracks wie 'Mit Rita über die Gleise', 
'Ich sah Hanoi sterben' oder 'Nach der Arbeit'. Also, diesen bedrohlichen 
Gristle-Synthesizer find ich einfach genial, weil er viel schneller 
pulsiert als bei TG. Hammer-Sound, der viel freisetzt. Bei mir zumindest... 
 
 
 
 

terre et argent, LP, Rigobert D., 'Bad Alchemy #46', 2005

Das Sichten der Bestände geht weiter. Gleich zwei Labels bemühen sich um das Archivmaterial der Mainzer NDW-Obskurität 'Non Toxique Lost'. Das 
war 1982 eine weitere Schraubendrehung von G. Neumann aka Sea Wanton gewesen, der im Jahr zuvor mit Joachim Stender in Messehalle gespielt 
hatte und, als Stender ausstieg, um bei P.D. mitzumischen, mit No Aid in der Postpunksuppe rumgerührt hatte. Wanton schrieb damals auch 
Kassettenreviews für Sounds und brachte die Fanzines Handbook Of Fun und Gute Unterhaltung heraus. Als Megaphon von NTL tobte sich Peter 
Prieur aus, genannt Pogo, Frontmann der Suburban Punx, und ebenso wie Steffen Schütze, der zuvor in Jean Gilbert rumdilletiert hatte und hier 
Violin- & Steeltubesounds beisteuerte, ein fanatischer Fan von TG und Genesis P-Orridge. Vervollständigt wurde NTL durch den Kunststudenten 
Achim Wollscheid, zuvor bei den Edelweißpiraten, später S.B.O.T.H.I. & Selektion-Macher, der Wantons Synthesizer-, Sequenzer- & 
Tapemachinenoise mit den Verzerrungen seiner Fendergitarre flankierte. Mit der giftigen Anspielung auf das im 1. Weltkrieg so verheerend 
eingesetzte Senfgas Lost, verband sich eine kulturindustriell inkompatible Bissigkeit, klanglich der Drall zur Kakophonie, optisch 
verdächtige Harmlosigkeit. Schon die ersten, in Pogos Bude aufgenommenen Ejakulate wurden auf Schützes Kassettenlabel Neuer 
Frühling veröffentlicht. Wüste Gigs folgten, in Frankfurt (mit Der Plan), auf dem Atonal ‘83 in Berlin, sogar in London (mit Bourbonese 
Qualk). Bei zwei 1985 von Staalplaat organisierten Auftritten in den Niederlanden (mit P16.D4) mischten Cem Oral (heute eine Elektrogröße 
als Jammin‘ Unit & Air Liquide) und Heiko Wöhler mit. Die einzige LP zu Lebzeiten hieß Wanton und kam 1986 heraus. Die beiden Dossier-CDs 
/bin/med/usa & siga siga haben schon Dokucharakter. Wollscheid beschrieb NTLs ‚Nicht‘-Stil nachträglich mit „kein Rock, kein Punk, 
keine Experimente, kein Recycling und keine Improvisation... - oder ein bisschen von allem, zu einem dicken Gemisch verdichtet, falls 
erforderlich.“ Distinktiv an NTLs Gebräu aus Wave & Industrial, wie man es nun auf Terre et argent (Wachsender Prozess 07, LP) serviert 
bekommt, war auf jeden Fall der Impetus, die versteinerten Verhältnisse aus sozialdemokratischer Staatsraison und konservativer Wende aufs Korn 
zu nehmen mit Gerade-noch-Songs wie ‚Zufrieden‘, ‚Nach der Arbeit‘, ‚Was ihr braucht‘, ‚Eigentlich sind wir gut‘ und ‚Ich sah Hanoi
sterben‘, geprägt von Pogos Sprech- & Schreigesang und Texten, die ihre Parolen mit sarkastischer Sophistication rüber brachten. Der 
rhythmische Vorwärtsdrang hatte durch die schrill slashenden Noisefetzen von Synthies, Gitarre und Violine immer was 
Giftig-Aggressives, das Nightmare-on-Lindenstraße-mäßig gegen die wachsende Restzufriedenheit sichelte. ‚Kriegstanz‘ live kommt rüber wie 
eine Over-the-Top-Version von P16.D4s ‚Tanzmusik‘. Für das Elend, das heute in den Köpfen grassiert, kommt die Wiederbegegnung mit solch 
trashigen Vorläufern von Teenage Atari Riot, die auch vom Zeitgeist längst weggespült wurden, zu spät / zu früh. Zwischen Jens Friebe und 
Franz Ferdinand gähnt der müde Tod ein Loch in die Tagesordnung der grauen NVA-Socke, das kein Sido, kein Von Spar stopfen kann. Wer keinen 
Schmerz mehr spürt... 
 
 


siga siga.......siga siga
siga siga, CD, Zipo, Auf Abwegen'

NON-TOXIQUE LOST weigern sich nach eigener Aussage 
"in die behagliche Gleichgültigkeit zurückzufallen, 
die von der Kulturindustrie so hoch belohnt wird". Mit Adorno im Kreuz 
reimt es sich gleich viel besorgniserregender; so nehmen sich die tracks 
von NTL auch angst- und energiegeladen aus. 
In einem Stil, den ich mal als psychedelischen Electro 
bezeichnen möchte, werden Stimmungen kreiert, 
die anklagen, aufwühlen und beunruhigen. 
Eines tun sie auf keinen Fall: beruhigen und einlullen. 
Für Chomsky-Fans ! 
 
 

siga siga, CD, Oliver S., www.dorfdisco.de, april 2005

'Non Toxique Lost' - "Siga Siga"-cd (Dossier) und " /bin/med/usa"-cd (Dossier) 
Eine Formation so sehr für Kenner, dass selbst unsere Anfragen keine Anworten bringen. 
'Non Toxique Lost', die sich ihrer Sage nach 1982 auf einem Throbbing Gristle Konzert in Frankfurt gegründet haben 
und in der ganzen Zeit ein paar relativ unbeachtete CDs und einen Haufen noch 
verschütt gegangener Kassetten releast haben (sie waren sogar auf Atonal 2 in den Pankehallen dabei) 
führen genau das aus, wovon mitlerweile bis in die U-Bahn geworben wird: 
experimentelle 80ger, authentisch, mit der ganzen Fläche gegen die Kultur, 
von der sie sich ihre charakteristischen Schrammen einfährt. 
Hier stehen die Töne noch auf dem Punkt, bewegungslos und trotzdem von fern hypnotisierend, 
da werden synthetische Töne zerhackt, eingeblendet oder mit Monsterbeats in Gang gesetzt, 
die sich genauso zusammenhangslos benehmen, wie das ganze musikalische Korsett sonst. 
Dennoch, das ist nicht beliebig, das ist Kunst ohne künstlich zu sein. 
Das Ganze geht wie eine bizarre Meditation mit dadaistisch von der Wand gerissenen Texten (Ruft an, ruft an), 
die gebetsmühlenartig um den Fernsehturm getragen werden. 
Eine zweite, neue CD namens bin/med/usa ist ebenfalls auf Dossier erschienen, 
welche aber mehr mit elektronischen Flächen arbeitet und insgesamt gefälliger und weit 
weniger experimentell als Siga Siga dahaherkommt. 
Beide Releases sind ideal für Quereinsteiger, Zeitkiffer und Ohrfetischisten sowie sogenannte Kulturarchäologen 
die heute noch die 80ger suchen und meinen wo im Prenzlauer Berg gefunden zu haben. 
(Beziehungsweise deren Nightlife Djs, die ihrem ratlos-rastlosen Publikum 
mal einen Gang der extraordinären Klasse kredenzen wollen.)