Chronologie der Ereignisse
(aufgeschrieben von J. Teipel in " Verschwende Deine Jugend")
(Quelle: www.gesellschaftsinseln.de)
12 / 81 "Berliner Krankheit"-Tournee (EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN,
MDK, SPRUNG AUS DEN WOLKEN)
3 / 82 Andreas Dorau "Blumen und Narzissen"-LP NEONBABIES
"Harmlos"-LP
29.04.82 Erster Auftritt der TOTEN HOSEN
6 / 82 Markus veröffentlicht seinen NDW-Hit "Ich will Spaß"
10 / 82 PALAIS SCHAUMBURG "Lupa"-LP und Tournee mit Kurtis Blow
7 / 1983 DÖF erreichen mit "Codo (...düse im
Sauseschritt)" Platz 1 der deutschen Single-Charts
und was noch geschah:
2.12.1983
Der Bundestag hebt einstimmig die Immunität von Wirtschaftsminister
Otto Graf Lambsdorff (FDP) auf,
der im Zusammenhang mit der Flick-Affäre unter dem Verdacht der
Bestechlichkeit steht.
Die deutschen Sportjournalisten wählen den Schwimmer Michael Groß,
die Hochspringerin Ulrike Meyfarth
und die Handballer des VfL Gummersbach zu »Sportlern des Jahres
1983«.
pressetext der veranstalter des ATONAL 2 festivals in Berlin (1983)
"ATONAL ist das unabhängige fest der nonkonformisten, atonale gelegenheit für kreative musiker, maler, filmer und frisösen. die stinkenden versuche eingebildeter zyniker und charaktermasken in den medien und hinter den kulissen mit businessmethoden jeden ansatz etwas anderes zu tun kaputt zu kriegen werden überlebt. ATONAL wird sich ihr orientierungsloses bla bla nicht aufzwingen lassen.dagegen stehen die ernsthaft motivierten musikalischen und künstlerischen zusammenarbeiten. ATONAL ist selber hören. die freiheit eigene gedanken und urteile zu bilden und nicht in das miese, vorgefertigte system der idioten einzusteigen. ATONAL hören und sehen wir was wir brauchen um zu verstehen was wir tun. ATONAL ist keine bequeme täuschung und kein vorschriftsmässiges einverständnis. Es gibt eine neue art zu hören und zu sehen..." (adi atonal)
press release of the organizers of the "ATONAL 2" festival in Berlin (1983) , translation: B. Goleh
"ATONAL is an independent event of the non-conformists, an atonal opportunity
for creative musicians, painters, film producers and female hairdressers.
the stinking attempts of conceited cynics and phonies working in the mass-media
and behind the scenes every attempt at alternative action with business
methods will be overcome. they will not be allowed to force upon ATONAL
their unorientated "bla bla". this is
confronted with the serious motivated musical and artificial cooperations.
ATONAL means to listen for yourself. the freedom to develop thoughts
and opinions of your own and not to enter into this miserable, prefabricated
system of these idiots. listening and watching. ATONAL iswhat we need to
understand what we are doing. ATONAL is not a comfortable fiction and not
a regulated agreement. there will be a new way to listen and to see..."
(adi atonal) /
Ort: Berlin, Pankehallen ?
Die Tresorfabrik S. J. Arnheim befand sich in Wedding, Badstraße
40/41, auf der nördlich der Badstraße gelegenen Hälfte
der Pankeinsel. Um 1833 hatte der Schlossermeister und Mechaniker Simon
Joel Arnheim (1804 o. 1802–1875) in Berlin mit dem Bau feuerfester Kassen
und Panzerschränke begonnen. 1890 zog die T. von der Rosenthaler Straße
in die Badstraße. Carl Arnheim (1851–1905) ließ hier nach Plänen
des Architekten Wilhelm Martens (1842–1910) ein Mietshaus, eine erste Fabrikhalle,
ein Inspektorenhaus und mehrere eingeschossige Lager- und Werkstattgebäude
errichten. Die Fabrikhalle wurde 1895 auf drei Etagen aufgestockt und die
ehemalige Pankemühle umgebaut. Ebenfalls nach Plänen Wilhelm
Martens wurden 1897/98 die 180 m langen Shedhallen geschaffen, wobei der
westliche Pankearm zugeschüttet wurde. Die
T. stellte in maschineller Großproduktion reichverzierte Geldschränke
her, die durch ihr äußeres
Erscheinungsbild
Sicherheit, Besitz, Reichtum und das Repräsentationsbedürfnis
der potentiellen Kunden optisch widerspiegelten. Die hohe Qualität
ließ den Namen Arnheim zu einem Synonym für den Geldschrank
schlechthin werden. Nach dem I. Weltkrieg konnte die Firma nicht mehr
an ihre ehemalige Bedeutung anknüpfen, technische Neuerungen wie der
Nachttresor kamen von der Konkurrenz. Die wirtschaftliche Lage verschlechterte
sich und führte mit der Weltwirtschaftskrise 1929 zum Niedergang.
1938 wurde das Unternehmen zwangsversteigert. Die letzte, nur noch nominelle
Besitzerin dieses einst traditionsreichen jüdischen Familienunternehmens,
Dorothea Arnheim († 01.11.1942), wurde im September 1942 nach Theresienstadt
deportiert. Während des II. Weltkrieges wurden 1944 bei Luftangriffen
das Bürogebäude und einige Werkstätten zerstört. Nach
dem Kriege zogen andere Firmen in die noch vorhandenen Gebäude; 1966/67
wurde das Areal ein Gewerbehof. Im Zusammenhang mit der Gestaltung des
Pankegrünzuges wurden bis auf die Shedhallen alle früheren Fabrikationsstätten
abgerissen und der Hof in den Pankegrünzug einbezogen. Nach einer
Restaurierung der denkmalgeschützten Pankehallen (Shedhallen) wurden
sie 1986 zu einer Bildhauerwerkstatt für den Berufsverband Bildender
Künstler umgewandelt.
Wedding (Berlin) ?
Text von: ??? aus (paparazzi-forum...)
Szene in Wedding - ja die gab es. Als ich kam, gab es gerade den Volkszählungsboykott,
bei den Weddinger Anlaufstellen der Boykottbewegung machte ich erste Bekanntschaft
mit, im Vergleich zu Kreuzberg, doch recht zugänglichen Leuten. Wedding
war Anfang der 80er der Bezirk mit den zweitmeisten Hausbesetzungen, eigenes
Weddinger Besetzerplenum, jede Menge Besetzerkneipen, im Sommer Hinterhoffeste
mit OpenAir Bühnen. Eine Zentrale der Szene war der Laden in der Buttmannstrasse,
dort wurde u.a. das alternative Presseorgan "Weddinger Neue Zeitung" erstellt,
ein Blatt, das im Zuge der Bürgerinitiativbewegung Mitte der 70er
entstanden war, inzwischen von eher Linksgrünen erstellt wurde, und
später von Autonomen "übernommen" wurde. Wichtig war das riesige
besetzte Fabrikobjekt in der Prinzenallee, später legalisert und wohl
längere Zeit noch recht erfolgreich (was jetzt damit ist, weiss
ich nicht). Es gab auch einige Szenekneipen, etwa in der Nähe der
TFH im Viertel mit den belgischen Strassen, oder um den Leo. Nach eineinhalb
Jahren hat es mich dann aber doch nach Kreuzberg gezogen, wo ich die nächsten
16 Jahre blieb.
Im Wedding war ich später kaum noch.
NON TOXIQUE LOST hingefahren nach B, rein in die Pankehallen, gepielt
und vergessen ?
Text von: Sea Wanton
Vertrauen ist der Anfang von Allem.So startet die DEUTSCHE BANK ihre
grosse Werbekampagne,
um die Jugend der Welt, für sich und immer nur sich zu gewinnen.
(in memoriam: RIO REISER)
Wir (d.h., die (non)Musiker von NON TOXIQUE LOST (kurz, NTL)) glaubten
am 2. Dezember des Jahres 1983 selbstverständlich daran, dass die
Sonne noch mindestens 20 Millionen Jahre lang unseren Erde-Planeten erwärmen
und die amerikanischen GIs auch heldenhaft "unser" Westberlin gegen die
Rote Armee verteidigen würden.
Bewaffnet waren wir mit: einer Gitarre (FENDER, Typ "Telecaster"),
einer Violine (mit Kontaktmikrofon) ,
einem Synthesizer MS-20 (KORG), einem Stylophon , einem Cassettenrecorder
(Marke AKAI),
einer Rhythmusbox (MFB-501) , einem Sequenzer (MFB-601) , einem Orgel-Verstärker
(NOVANEX)
einem Gitarren-Verstärker (FENDER "Reverb") ,einer Trompete ("Made
in the GDR" war d'rauf eingestanzt)
und last not least: mit einem Klang- /Kunstobjekt, das wir uns
aus dem Ausstellungsraum des Institut für
Kunst (Universität Mainz) "besorgt" bzw. "entliehen" hatten. Irgendjemand
(von den Kunststudenten) war da auf die Idee gekommen, 20-30 Stahlrohre,
gesammelt auf Schrottplätzen, Baustellen, Mülleimern, etc.,
auf ihre "Klangqualität" zu prüfen, jedes Rohr dann auf eine
Länge von ca. 1 m zu kürzen, ein etwa mannshohes Stahlgerüst
(so etwas wie einen "Gitter"- oder "Klangkäfig") zu konstruieren und
dann alle diese Metallteile rund herum innen drinnen an Stahldrähten
aufzuhängen: man konnte also innerhalb und ausserhalb durch Draufschlagen
auf die Rohre das gesamte Gebilde zum "Klingen nach allen Seiten" bringen.
Wir, d.h., A. Wollscheid, S. Schütze und G. Neumann (aka Winston
Churchill, aka Sea Wanton)
lebten '83 noch in der "Provinz" (zumindest soweit es den Aspekt der
"neuen deutschen (experimentellen) Musik" betraf), in jenem "am Rosenmontag
bin ich gebor'n" bekannten Mainz und begierig darauf, unsere Geräusche,
unsere Ideen dem Berliner Publikum zu präsentieren.. P. Prieur (POGO),
hatte kurz vorher die Band verlassen, wir entfernten uns also immer
mehr von der "1-2-3-4" Attitüde seines Gesangstils und integrierten
mehr und mehr "echte", "konkrete" Samples in unsere
Songs.
Wieso uns aber Dimitri Hegemann, der Organisator des "BERLIN ATONAL 2"
Festivals zur Teilnahme eingeladen hatte (ausser einem Demo-tape und einem
kurzen, freundlichen Briefwechsel war vorher nichts in Richtung Berlin
gegangen), blieb uns rätselhaft. Immerhin waren als top-acts PSYCHIC
TV, ZOS KIA und ZE'V angekündigt !! - wer also hatte sich für
uns "starkgemacht"? Gleichwohl steckten wir mit unseren aktuellen Aktivitäten
schon ziemlich intensiv in der "Kassettentäter"-Szene.
U.a.
schrieb ich ja auch in der deutschen SOUNDS (Musikzeitschrift) unter dem
Pseudonym GEN-82 Kritiken zu / über Cassettenproduktionen. R. Schönauer
(er besass ein TEAC 4-track Tonband, war Mitglied bei SELEKTION und Bassisst
bei der Band "PD" bzw. "P16.D4") hatte von uns die ersten "studio-tauglichen"
Aufnahmen gemacht und damit die Produktion unserer ersten (mit guter Aufnahmequalität)
Cassette ermöglicht. Grössere Beachtung fanden unsere bisherigen
'live" Auftritte und Produkte allenfalls bei den sog. "Punks" und "Künstlern",
wenig dagegen bei den "Jazzern" oder "New Wavern", schon gar nicht
bei den Fans der sog. "NdW" (NEUE DEUTSCHE WELLE). A. Wollscheid studierte
noch Kunst, S. Schütze war bei der Bundeswehr und ich arbeitslos.
Aber wir hatten einen guten Übungsraum (an exponierter Stelle,
mitten im Zentrum des Universitätsgeländes !!), meine (damalige)
Freundin einen VW-PASSAT, ein paar Freunde, die auch mal Berlin erleben
wollten. Viele Collagen, Geräusche, Sounds, Rhythmen, Sequenzen und
"field recordings" hatten wir schon auf die Datenträger ( hier: Compact-Cassetten)
"archiviert" und drumherum ein "live"-Programm eingeübt. Eben eine
Mischung aus Tapeeinspielungen und Tonerzeugung in Echtzeit, plus Gesang
- so wollten wir vor ein Publikum treten.
Am Grenzübergang "Helmstedt" dann die erste Konfrontation mit dem
"zweiten" deutschen Staat.
Der "DDR-Grenzer" mockiert sich über S. Schütze, der sich
weisse Handschuhe übergezogen hatte (war ja auch immerhin Winter,
da am 2.12.1983 !!). "Sieh mal da, ein echter Lord..." (sinngemäss)
kommt's also vom Uniformierten der DDR-Grenztruppe (NVA?) und dementsprechend
scharf werden auch die Pässe und Ausweise der Fahrzeuginsassen kontrolliert.
Trotzdem: Keine Fahrzeugkontrolle? Erinnere mich nicht mehr...Jedenfalls
ist die Transitstrecke ein Holperweg, die Reisegeschwindigkeit von (konstant
?) 100 km/h wird alle Nase lang von (DDR)-Polizei (mit Radarfallen) kontrolliert.
Anhalten will sowieso niemand in diesem Land und fast zufällig, kaum
wahrnehmbar teilt sich dann diese sog. "Autobahn" in die Richtungen "Berlin
- Hauptstadt der DDR" und "Berlin (West)". Aber gerade noch rechtzeitig
gesehen und nicht in die Falle gelaufen...schnell ab nach rechts... Die
Pankehallen sind ein roter Backsteinbau. Schnell gefunden. Und es ist so
kalt, dass mir nur noch der Begriff "sibirischer Winter" zu Berlin
einfällt.
Irgendwann finden wir uns auch im Backstage-Bereich wieder. Einige der
Musiker dort kennen wir mit Namen (aus Fanzines, SOUNDS, SPEX, etc.). HEINO
und BLIXA BARGELD sind da. GRAF HAUFEN zum ersten Mal persönlich getroffen
- während der Aufbauarbeiten zum Soundcheck. Das Festival soll auch
für den Radiosender "SFB" ( jetzt: "RBB") aufgezeichnet werden.. Zudem
werden auch Video-Aufnahmen
gemacht. Vor der Bühne ist ein kleines "Meer" von Fernsehkameras
und sonstigen Aufzeichnungsgeräten aufgebaut. Die Bühne ist in
ein "hippie-eskes" Lichtermeer ("Bühnenlicht", Spotlights ohne Ende)
getaucht, es blinkert und blitzt wie in 'ner Disco. Auf dem Schlagzeugpodest
haben wir unseren "Klangkäfig" aufgebaut. Front zum Publikum: links
hat sich A. Wollscheid mit Gitarre positioniert, rechts ich mit Synthesizer.
S. Schütze wird den "Klangkäfig" "betrommeln" und ab und an auch
seine Geige "malträtieren". Soundcheck als letzte Band. Weil wir ja
auch als "opener" gebucht sind. Alles ok. Dann ist es soweit: HEINO sagt
den Auftritt an.
Der Auftritt
beginnt mit einer Katastrophe - der Cassettenrecorder ist defekt. Wir bekommen
ein Ersatzgerät vom (Saal)-Hauptmixer. tanx, tanx...wherever
you are !! Nochmal die Ansage: jetzt gibt uns THEO das Signal. Wir beginnen
nochmal. Und ab hier "brüllen" die Stageboxen mit einer ungeheuren
Lautstärke auf uns ein. Wir schaffen dennoch ! unser gesamtes Programm
- so eben mal, mit "Ach und Krach", so "la la" eben! Dreiviertelstunde
Stehen in der klirrenden Kälte auf der Bühne, lärmende Stageboxen,
kein Feedback zum Mixer und und und... Irgendwie hatten wir da unsere Kräfte
ein bischen überschätzt - Konditionsschwäche...wer hätte
das gedacht ?. Kaum Applaus, keine Zugabe. Wir bauen schnell ab. Nach uns
wird "LORENZ LORENZ" angekündigt. In der Zwischenzeit kassiere ich
unsere Gage. Dimitri hat ein kurzes Lob für unsere "performance" (danke
Dimi, hat gut getan) ...Im Backstage-Bereich werden wir zu allem Überfluss
dann auch noch von Clarissa (MANNAMASCHINE) "verbal attackiert" mit hinlänglich
bekannten "Musik muss aus dem Bauch kommen" Slogans. OK. boring...aber
wir sind zu "echter" Gegenwehr zu schwach... Jemand hat auch einen Schlafplatz
für uns (in Neukölln ?) organisiert (auch hier: tanx, tanx, nochmal
!). Am nächsten Morgen repariere ich die Lautsprecher (Boxen) in meinem
Auto.
Drehe die Musik
auch recht ordentlich laut (ich schwöre, mehr als 30 Watt waren nicht
drin!) und werde demzufolge auch gleich von einem der Anwohner "angemault",
dass ich "... nicht die ganze Strasse zu beschallen hätte". Am Nachmittag
(es wird ja in dieser Jahreszeit in dieser Stadt schon so gegen 14:00 Uhr
dunkel) will ich denn auch mal den "anti-imperialistischen Schutzwall"
sehen und fahre also mit'm Auto bis ich irgendwann grad davorstehe, weil
da nämlich die Strasse einfach aufhörte "zu sein" (keine Ahnung
wo das wirklich war).
Jedenfalls war's vom Eindruck so, wie man's aus den vielen sog. "Agenten-Thrillern"
her kennt: neblig, duster, spärliche Funzellampen, Mauer, öde,
leer, manchmal ein Scheinwerfer, der die Mauerkuppen berührt. Leises
Murmeln der Grossstadt im Rücken. Dann: ZE'V und ZOS KIA (3.12.83).
Und frühmorgens sind wir auch nochmal ins MADONNA (Kreuzberg). Schon
faszinierend, ' ne sog. "alternative Szene" ohne "Sperrstunde" zu erleben.
Zurück nach Mainz. Der Frust ist gross: Wir hatten vergessen unseren
Gig mitzuschneiden. Ein paar Tage später schreibe ich meine Eindrücke
von unserem Auftritt auf und der Text wird später in unserem NTL (fun)fanzine
"HANDBOOK OF FUN" veröffentlicht. Aber AMOK (als TANITH dann später
erfolgreicher „techno“-dj) war im Publikum, hat seinen tape-recorder (oder
war's der von S. Schütze ??, nämlich einen KAWAI, mit dem wir
auch die live-Aufnahmen des SPK gigs ('82 in WI) gemacht hatten) hochgehalten
und den Auftritt von NON TOXIQUE LOST dokumentiert. Er überlässt
uns diese Aufnahmen (auch hier Lob und Dank dafür). Wir veröffentlichen
diese Aufnahmen auf compact-cassette (C-60, Dolby, CrO2) und machen in
unserem HANDBOOK OF FUN mit einigen Collagen die Werbung.
Monate später bekommen wir Post aus Berlin: eine Cassette mit dem
"stagemix" (SFB) des Auftritts. Ich frage irgendwann (1986 ???) die
Firma "K7" (jene Firma hat die Video-Aufnahmen während des Festivals
gemacht) nach dem Material (es soll ein Mitschnitt von auf "U-MATIC" existieren).
Und wirklich: wir bekommen Antwort und es heisst, wir könnten das
Teil für DM 500,- kaufen. Nee, is aber echt nich' drin:
meine Arbeitslosenhilfe (im Jahr 1986) pro Monat ist so um die 520,-
DM...woher nehmen wenn nicht stehlen?
HEAD RESONANCE Atonal 1983 Berlin Konzert: But who is eating me?
Text von: Peter Elsner, Helsinki 2005
HEAD RESONANCE Company: interdiziplinäres Kunst- und Forschungsprojekt
1978-84 (Peter Elsner/ Benjamin Heidersberger)
http://headresonance.de/
Gesang: Bella Bass: Benjamin Heidersberger Guitare: Peter Elsner Schlagzeug:
Knut Banderob
Während des Auftritt wurde die von Benjamin Heidersberger und Peter
Elsner entwickelte
“Maschine ohne Namen” verwendet.
Die Story:
Wie zu jedem unserer Perfomamces wollten wir ein Konzert entwickeln
das nur einmal aufgeführt wird.
Dazu luden wir Bella ein, die gerade in einer Wolfsburger Punk Band
sang.
Ich schrieb den Songtext für sie (But who is eating me?) der einige
Diskussionen auslöste,
da in dem Text eine Pasage war in der es hieß "Engel würden
an unseren Gedanken saugen".-
Der junge jazzorientierte Drummer Knut Banderob wurde dann dazu gezwungen,
sein schönes grosses Schlagzeug zu Hause zu lassen und wir gaben
ihm eine Trommel,
die wir auf dem Spermüll gefunden hatten. Ausgerüstet
mit Bass, Guitare und Trommel
standen wir am Grenzübergang Helmstedt in der Dunkelheit bei Scheißwetter
und warteten auf irgendein
Kfz das uns über die Grenze bringen würde.
Das Video zum Festival
BERLIN "ATONAL 2 FESTIVAL" 1983, VHS (part 1 & 2) video featuring:
ZEV, CA LINGO LINE, HEAD RESONANCE, C.I.F., LORENZ LORENZ, HIDETO
SAZAKIS DISCO TUNES, LENINGRAD SANDWITCH, GROENVIRKE, LA LOORA, LUCRATE
MILK, PSYCHIC TV, MANNAMASCHINE, TEMPLE OF PSYCHIC YOUTH / ZOS KIA,
NON TOXIQUE LOST,
ROTHSCHILD ARMAMENT FORMATION, DIDAKTISCHE EINHEIT, S.Y.P.H., AKUSTIKTANZTHEATER
Publikum?
von: Ruebenkraut (30.12.2001 um 00:40 Uhr). (Quelle: www.hoeflichepaparazzi.de,
"paparazzi-forum",)
Beim Penis-Piercing mit John Peel
1983 kam ich mit Anfang 20 nach Berlin zum Studieren. Es gab noch besetzte
Häuser. Es gab noch Punks. Es war die Zeit, in der man schwarze Lederjacken
trug. In denen die Kneipen sich weisstünchten und Neonröhren
statt Lampen hinhängten.Es gab noch Ofenheizungen (vor allem im Osten,
wo man kaum mal hinkam, aber auch in Wedding, Kreuzberg, Neukölln),
die regelmässig winters für Smog sorgten. Ich geriet wohnungsmässig
in den Wedding (die Berliner sagen "auf`m Wedding", was ich aber nie verstanden
habe).
Das war nicht gerade der angesagteste Bezirk. War jedenfalls nicht
Kreuzberg, wo alle wohnen wollten. Aber es war auch nicht Neukölln.
Für die Pankehallen im dunkelsten und hintersten Eck vom Wedding (zur
Info für die Neuberliner hier im Forum, die inzwischen abgerissenen
Pankehallen standen etwa da, wo sich Osloer
Strasse und Panke kreuzen, östlich der Koloniestrasse) kündigt
sich im Dezember 1983 das "Berlin Atonal" an.
Die Backstein-Fabrikhallen, die tatsächlich noch beinahe im Urzustand
vor sich hingammelten und schimmelten, waren das ideale Abiente für
Industrial-Schrott Musik, Postpunkmuke. Musik, die nur vom König der
Radiomoderatoren, John Peel, in seiner wöchentlichen Show auf BFBS
und BBC regelmässig gespielt wurde, da andere Sender ungern über
90 % ihre Höhrerschaft vergraulen. Und wer so etwas hörte und
dabei cool Zustimmung nickte, der gehörte dazu. Ich wollte dazu gehören.
Atonal, das war die Zukunft. Und die Weddinger Szene war stolz darauf,
die Kreuzberger ausgestochen zu haben (spätere Berlin Atonals fanden
im SO 36 in der Oranienstrasse statt). Am Abend des Atonal Festivals,
ein regnerischer, scheisskalter Dezemberabend, versinkt auf dem Vorplatz
die Schlange der Einlass Begehrenden langsam im Matsch,
während von drinnen schon reichlich Atonales aus der Konserve
kracht. Düsternis unterbrochen von Stroboskoplichtgeblitze. Kurzfristig
werde ich für den Einlass rekrutiert. Stempel auf Handrücken
und Arme drücken. Natürlich will jeder bei einem Tagespreis von
12 DM mit einem Pfund bezahlen. Schon als ich hinkomme, gibt es kein Hartgeld
mehr. Die draussen im Regen murrende Schlange wird länger und länger,
an der Tür beginnt ein grosses Geschiebe und Gedränge. Kurz vor
der Explosion kommt endlich der Typ mit dem Silbergeld. Gleich am Anfang
entfacht eine Band ein ungewolltes Feuerwerk auf der Bühne. Es droht
der Abbruch der Veranstaltung, doch die Feuerwehr sieht wohl ein, dass
man die Szene, die sich hier versammelt hat nicht einfach rausschmeissen
kann. Und es ist ja auch nix passiert.Die Sängerin einer Band lässt
sich nackt auf ein Metallrost fesseln, das an einem Drehgestell befestigt
ist.
Sie wird in die Vertikale
und kopfunter gedreht und röchelt in dieser Position Liedtext in das
zwischen ihren Brüsten mit Paketklebeband befestigte Mikro. Freundlicher
Applaus. Im Nebenraum ist eine Waschmaschinentrommel einschliesslich Motor
aus ihrer Hülle befreit worden. In die rotierende Trommel werden von
Männern in weissen Overalls Gegenstände geworfen und dazu passend
unrhythmisch geschrieen. Einige bleiben stehen und wippen mit den Füssen.
Die anderen drängeln vorbei zum Bierstand im nächsten Raum.
Höhepunkt des Abends ist der Auftritt von "Psychic TV": Während
der Sänger atonal das Mikro bearbeitet, wird an die graue Hallenwand
hinter seinem Rücken überlebensgross ein Dokufilm projiziert,
der in Nahaufnahme eine Operation zeigt: Hände, Instrumente, Blut,
ein Ring, ein Penis, alles in Handkamera-Wackeloptik, Zeitlupe, untermalt
von dem Live-Gebrüll des Operierten. Der Mann lässt sich einen
Ring durch die Eichel ziehen. Das Wort "piercen" gehört 1983 noch
nicht zum Wortschatz, der ganze Vorgang ist so "unerhört", dass ich
beinahe vergesse, das mir schon angewöhnte Berliner-Neustudent-Coolness-Gesicht
aufrecht zu erhalten. Im Publikum, vergleichsweise unpassend gekleidet,
äusserlich ungerührt vom Bühnengeschehen, einer der alles
schon gehört hat, er steht plötzlich neben mir und ich wundere
mich ein bisschen über diesen Mann, der so gar nicht szenemässig
drauf ist. Ein Freund deutet auf ihn und schreit mir ins Ohr: DAS
IST JOHN PEEL!. Ich muss verständnislos geglotzt haben, denn
er wiederholt es, mit leicht genervtem Unterton: Kennst Du
nicht? John Peel! Klar kenne ich John Peel - aber doch aus dem
Radio, nicht von Angesicht. Es ist John Peel. Sieht
ein bisschen so aus wie Umberto Eco, der gute.
SEXORZISTEN
Text von: Oliver Shunt
...ist eigentlich ein heiliges Kapitel, weil wir, die Sexorzisten dort unseren allersersten Gig hatten. Muss aber dazu sagen, dass wir zu der Zeit nichts mit anderen zu tun hatten und auch nichts mit anderen zu haben wollten. Wir sassen also ausschließlich selbstsüchtig und zufrieden über verschiedenen Päckchen Pulver nebst einer 1 Liter Flasche Whiskey im Backstage, wenn wir nicht gerade unseren Gitarristen irgendwo von der Strasse auflesen mussten. Blixa hatte mit dem event meines Erachtens nichts zu tun.
story der "Sexorzisten" (text: oliver shunt)
"Ende 1983 von O.S. und M.W. gegründet spielte man sich über
ein Jahr lang zum
Geheimtip
in der überschaubaren Westberliner Untergrundmusikszene. Ihr erster
Auftritt auf Atonal 2 wurde gleich zur Legende als erst die Vorgruppe eine
Rauchbombe zündete und Tags darauf Sänger Shunt kurz vor Konzertbeginn
mit einem Ordner in Streit geriet und mit blauen Augen ein Set durchsang,
dass niemand geringer als John Peel persönlich als 'das einzig Erwähnenswerte'
an diesem Abend in den Äther von BFBS trug."
Dimitri Hegemann im Interview
Text & Interview: Steffen Bennemann (Dezember 2002)
.............. etc. etc. Und noch ein letztes: Was kannst du uns zum Thema "Atonal Festival" verraten?
Zeit wäre es auf jeden Fall, ein Atonal Festival mit neuen Ausdruckdformen
in Bild und Ton zu inszenieren.
Ich würde sofort mitmachen. Aber das reicht nicht. Money und qualifizierte
Mitarbeiter fehlen. Neue Wege - Neue Begleiter.
....................